Bund - Deeskalation und Gewaltabwendung e.V. i.G.
Gewalt und eskalierende Konflikte sind Teil vieler Arbeitsrealitäten geworden – besonders im öffentlichen Dienst sowie in sozialen, gesundheitlichen und beratenden Berufsfeldern. Gleichzeitig ist der Markt für Kompetenzentwicklung und Beratung zu Deeskalation und Eigensicherung unübersichtlich.
Der Bund für Deeskalation und Gewaltabwendung e. V. i.G. schafft Orientierung.
Wir formulieren Qualitätsstandards für verantwortungsvolle, wirksame und praxisnahe Deeskalationsarbeit.
1. Was wir tun
Was wir tun
- Wir definieren fachliche Qualitätsmaßstäbe für Deeskalations- und Gewaltabwendungsarbeit.
- Wir schaffen Orientierung für Institutionen, Auftraggeber und Fachkräfte.
- Wir zertifizieren Ausbildungs- und Trainingsangebote, die diesen Standards entsprechen.
Was wir nicht tun
- Wir sind keine Ausbildungsinstitution.
- Wir vertreten keine kampf- oder technikfixierten Konzepte.
- Wir geben keine einfachen Lösungen für komplexe Situationen.
2. Haltung & Verständnis
Deeskalation ist ein dynamischer Prozess, kein einzelner Handgriff und kein Gesprächstrick. Sie beginnt lange vor einer Eskalation und endet nicht mit dem Abklingen der akuten Situation.
Wir verstehen Gewalt als Entwicklung, nicht als Ausnahmezustand. Entsprechend unterscheiden wir drei zentrale Phasen:
- Vor der Gewalt - Prävention & Kommunikation
- Während der Gewalt - Handlungsfähigkeit & Eigensicherung
- Nach der Gewalt - Nachsorge & Aufarbeitung
Vor der Eskalation – Prävention & Kommunikation
Deeskalation beginnt mit Wahrnehmung, Empathie, innerer Klarheit und kommunikativer Kompetenz.
Haltung, Sprache und Beziehungsgestaltung entscheiden oft darüber, ob Situationen kippen oder stabil bleiben.
Während der Eskalation – Handlungsfähigkeit & Eigensicherung
Wenn deeskalierende Kommunikation nicht mehr greift und Gefahr entsteht, hat Sicherheit Vorrang.
Handlungsfähigkeit bedeutet hier:
Stress verstehen, Frühwarnzeichen zu erkennen, Orientierung behalten, Grenzen setzen, sich der Gefahrenquelle zu entziehen und sich – wenn nötig – schützen zu können.
Nach der Eskalation – Nachsorge & Aufarbeitung
Wie nach einem Vorfall gesprochen, begleitet und geführt wird, entscheidet über langfristige Stabilität.
Nachsorge, Teamkommunikation und strukturierte Nachbesprechungen sind unverzichtbarer Teil professioneller Gewaltabwendungsarbeit.
3. Qualität & Standards
Was gute Deeskalationsarbeit ausmacht
Der Bundesverband steht für ein qualitätsgesichertes, realistisches und verantwortungsvolles Verständnis von Deeskalation und Gewaltabwendung.
Qualitätsstandards für Trainings und Ausbildungen
Die Qualitätsstandards von Deeskalationstrainings und Train-the-Trainer-Ausbildungen zum/r Deeskalationstrainer*in sollten besonderen Wert auf folgende Qualitätskriterien legen:
- didaktische Empathie,
- realistische Szenarien,
- sichere Lernräume,
- und nachhaltige Kompetenzentwicklung.
Zentrale Qualitätskriterien sind:
- Haltung vor Methode: Innere Stabilität, Selbstwahrnehmung und Rollenklärung sind Grundlage jeder Intervention.
- Kommunikation als Wirkfeld: Sprache, Tonfall, Präsenz und Beziehung wirken deeskalierend – oder eskalierend.
- Stresskompetenz: Konzepte müssen unter realen Belastungen funktionieren, nicht nur unter Idealbedingungen.
- Eigensicherung als Teil des Ganzen: Selbstschutz dient der Gefahrenbegrenzung, nicht der Machtdemonstration.
- Nachsorge und Lernen: Deeskalation endet nicht mit der Situation, sondern mit ihrer Verarbeitung.
Klare Abgrenzung
Wir distanzieren uns ausdrücklich von:
- martialisierenden oder kampforientierten Narrativen,
- technikfixierten „Patentlösungen“,
- überfordernden oder retraumatisierenden Trainingsformaten,
- sowie von Angeboten ohne reflektierte Nachsorge.
4. Zertifizierung
Unsere Rolle als Verband
Der Bundesverband ist keine Ausbildungsstätte, sondern eine qualitätsprüfende Instanz.
Unsere Aufgaben:
- Entwicklung und Pflege von Qualitätsstandards
- Zertifizierung von Ausbildungs- und Trainingsangeboten
- Orientierung für Institutionen und Auftraggeber
Zertifizierungen erfolgen auf Grundlage transparenter Kriterien und sind zeitlich befristet. Ziel ist es, Qualität sichtbar zu machen und kontinuierliche Weiterentwicklung zu fördern.
5. Praxis & Partner
Praxis braucht Umsetzung
Standards entfalten nur dann Wirkung, wenn sie in der Praxis gelebt werden.
Der Bundesverband arbeitet daher mit qualifizierten Praxispartnern zusammen, die die formulierten Qualitätsmaßstäbe in Ausbildung, Training und Beratung umsetzen.
Partner
Die Qualitätsstandards des Bundesverbands werden von qualifizierten Praxispartnern umgesetzt. Zu diesen gehören:
PROTECTIVES: PROTECTIVES ist ein in Berlin-Brandenburg ansässiger, langjährig etablierter Anbieter von Deeskalations- und Gewaltabwendungstrainings für Fach- und Führungskräfte, vor allem im öffentlichen Dienst und angrenzenden Berufsfeldern. Die Konzepte von PROTECTIVES orientieren sich an den Qualitätsstandards des Bundesverbands und bilden eine zentrale Praxisreferenz. www.protectives.de
Häufige Fragen (FAQ)
Warum braucht es einen eigenen Bundesverband für Deeskalation und Gewaltabwendung?
Weil Gewaltprävention und Deeskalation in vielen Arbeitsfeldern an Bedeutung gewonnen haben, gleichzeitig aber kaum verbindliche Qualitätsmaßstäbe existieren. Der Markt ist unübersichtlich, Begriffe werden unscharf verwendet und fachliche Standards sind selten transparent.
Der Bundesverband schafft Orientierung, indem er klare fachliche, didaktische und ethische Qualitätskriterien formuliert. Ziel ist es, seriöse und wirksame Konzepte sichtbar zu machen und Institutionen sowie Fachkräften eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Ist der Bundesverband ein Ausbildungsanbieter?
Nein. Der Bundesverband ist keine Ausbildungsinstitution.
Er definiert Qualitätsstandards und zertifiziert Ausbildungs- und Trainingsangebote, die diesen Standards entsprechen. Die operative Durchführung von Ausbildungen erfolgt durch qualifizierte Praxispartner.
Diese Trennung ist bewusst gewählt, um Unabhängigkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit zu sichern.
Was unterscheidet den Bundesverband von anderen Anbietern im Bereich Gewaltprävention?
Der Bundesverband versteht sich nicht als Marketingplattform oder Interessenvertretung einzelner Methoden. Er positioniert sich ausdrücklich gegen vereinfachende, martialische oder rein technikfixierte Ansätze.
Unser Fokus liegt auf:
- einem prozesshaften Verständnis von Gewalt,
- der Verbindung von Kommunikation, Stresskompetenz und Eigensicherung,
- der systematischen Einbeziehung von Nachsorge und Aufarbeitung,
- sowie auf verantwortungsvoller Kompetenzvermittlung.
Warum grenzt sich der Verband von kampf- oder technikorientierten Konzepten ab?
Weil Gewaltabwendung im beruflichen Kontext andere Anforderungen stellt als sportliche oder private Selbstverteidigung. Eskalationen am Arbeitsplatz sind häufig komplex, emotional aufgeladen und eingebettet in organisationale Rahmenbedingungen.
Techniken können im Ernstfall relevant sein – sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet oder überhöht werden. Deeskalation erfordert vor allem Wahrnehmung, Haltung, Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit unter Stress.
Warum spielt Kommunikation eine so zentrale Rolle?
Weil Kommunikation in den meisten Eskalationen der entscheidende Wirkfaktor ist – sowohl deeskalierend als auch eskalierend. Sprache, Tonfall, Körpersprache und Haltung beeinflussen Dynamiken oft stärker als formale Regeln oder Maßnahmen.
Gleichzeitig erkennt der Verband an, dass Kommunikation Grenzen hat, insbesondere bei akuter Gefahr. Ein realistisches Verständnis von Deeskalation schließt daher auch Eigensicherung und klare Grenzsetzung ein.
Was versteht der Verband unter Qualität in der Kompetenzvermittlung?
Qualität zeigt sich nicht nur im Was, sondern vor allem im Wie.
Gute Kompetenzvermittlung zeichnet sich aus durch:
- Ganzheitlichkeit (alle Phasen der Gewaltentwicklung),
- dialogisch-interaktive Lernformate,
- didaktische Empathie und sichere Lernräume,
- realistische Stressabbildung,
- sowie nachhaltige Integration in den Arbeitsalltag.
Überforderung, Eskalationsinszenierung oder Grenzüberschreitung widersprechen diesem Verständnis.
Warum wird die Phase nach der Eskalation so stark betont?
Weil Eskalationen nicht mit dem Ende der Situation abgeschlossen sind. Unbearbeitete Vorfälle führen häufig zu Verunsicherung, Rückzug, Angst oder langfristigen Belastungen – individuell wie organisatorisch.
Nachsorge, Teamkommunikation und strukturierte Nachbesprechungen sind zentrale Elemente professioneller Gewaltabwendungsarbeit und werden in vielen Konzepten unterschätzt.
Wer kann zertifiziert werden?
Zertifiziert werden Ausbildungs- und Trainingsangebote, die den Qualitätsstandards des Bundesverbands entsprechen. Die Zertifizierung bezieht sich auf Inhalte, didaktische Gestaltung und Haltung – nicht auf einzelne Personen im Sinne eines Berufsabschlusses.
Details zu Kriterien, Verfahren und Laufzeiten werden transparent kommuniziert.
Welche Rolle spielt PROTECTIVES im Kontext des Verbands?
PROTECTIVES ist ein langjährig etablierter Praxispartner, der Trainings und Ausbildungen im Bereich Deeskalation und Gewaltabwendung durchführt. Die Konzepte von PROTECTIVES orientieren sich an den Qualitätsstandards des Bundesverbands.
Der Verband ist jedoch nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt. Ziel ist es, perspektivisch weitere qualifizierte Partner einzubinden.
Ist der Bundesverband politisch oder gewerkschaftlich tätig?
Nein. Der Bundesverband ist fachlich und praxisorientiert ausgerichtet. Er verfolgt keine parteipolitischen, gewerkschaftlichen oder ideologischen Interessen.
Sein Anliegen ist es, Qualität, Verantwortung und Wirksamkeit im Umgang mit Gewalt und Eskalation zu fördern.
An wen richtet sich die Arbeit des Verbands?
Die Arbeit richtet sich insbesondere an:
- Institutionen des öffentlichen Dienstes,
- Organisationen mit hohem Konflikt- und Eskalationspotenzial,
- Trainer:innen und Ausbilder:innen,
- sowie Entscheidungsträger:innen, die qualitätsgesicherte Angebote suchen.
Grundsätzlich profitieren alle Arbeitsfelder, in denen Menschen unter Druck miteinander umgehen müssen.
Positionspapier
Bund - Deeskalation und Gewaltabwendung e.V i.G.
Deeskalation ist keine Technik – sondern eine Haltung.
Der Bund für Deeskalation und Gewaltabwendung e.V.i.G. steht für Qualität, Verantwortung und Wirksamkeit in einem zunehmend relevanten Arbeitsfeld.